Die Zukunft des Rentensystems wird oft hoch emotional diskutiert. Jetzt sorgt ein weiterer Begriff für Zündstoff: der sogenannte Boomer-Soli. Während manche damit die Hoffnung auf mehr finanzielle Stabilität verbinden, fürchten andere den Bruch mit bewährten Prinzipien. Was verbirgt sich hinter dem Boomer-Soli? Welche Konsequenzen könnte eine solche Rentenabgabe für Sie haben?

In diesem Artikel blicken wir hinter die Kulissen dieses Konzeptes. Sie erfahren, was einen derartigen Solidaritätszuschlag auf Rentenzahlungen konkret für Ihren Geldbeutel bedeuten würde. Wir beleuchten die Zahlen, die möglicherweise betroffenen Jahrgänge und die intensive Diskussion um das Pro und Contra.

Inhalt

  1. Was ist der Boomer-Soli?
  2. Welche Jahrgänge sind vom Boomer-Soli betroffen?
  3. Ab welcher Höhe greift der Boomer-Soli bei der Rente?
  4. Wie sieht ein Boomer-Soli Rechenbeispiel aus?
  5. Boomer-Soli und Beamte: Werden alle einbezogen?
  6. Contra: Warum wird der Boomer-Soli als ungerecht empfunden?
  7. Pro: Welche Argumente sprechen für die Pläne?
  8. Ausblick: Kommt der Boomer-Soli in Zukunft?
  9. Fazit

Was ist der Boomer-Soli?

Beim Boomer-Soli handelt es sich um einen kontrovers geführten Vorschlag zur Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung. Die grundsätzliche Idee: Die Bezieher höherer Renten sollen dabei einen Teil ihrer Bezüge als Solidarbeitrag abgeben. Damit verbinden die Befürworter des Boomer-Soli das Ziel, die finanzielle Last der alternden Gesellschaft gleichmäßiger zu verteilen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) brachte diese Idee ins Spiel, um junge Beitragszahler vor steigenden Abgaben zu schützen.

Eine geeignete Antwort auf den demografischen Wandel?

Dahinter verbirgt sich die Sorge um die demografische Entwicklung. Die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Das bedeutet: Weniger Einzahler müssen die Renten von immer mehr Empfängern finanzieren.

Daher sollen Bezieher höherer Renten einen Beitrag leisten. Dieser Boomer-Soli wäre eine zweckgebundene Abgabe, die direkt in die Rentenkasse fließt. So soll verhindert werden, dass das Rentenniveau für zukünftige Generationen ins Bodenlose sinkt.

Deutliche Kritik am Boomer-Soli

Allerdings stießen die Vorschläge umgehend auf massiven Widerspruch in der Politik. Auch für die unabhängige Arbeitnehmervertretung ist ein Boomer-Soli ein falscher Ansatz: „Damit würden gerade diejenigen Arbeitnehmenden bestraft, die eigene private Vorsorge betrieben haben und sich zudem beruflich stark engagiert haben – das widerspricht jedem Prinzip von Eigeninitiative und wird daher von uns entschieden abgelehnt“, unterstreicht AUB-Vorstandsvorsitzende Rainer Knoob.

„Stattdessen sind dringend nachhaltige Reformen unserer Sozialsysteme im Interesse der Arbeitnehmenden, der jetzigen Rentner und der Ruheständler von morgen erforderlich. Insbesondere auch die betriebliche Altersvorsorge sollte weiter gestärkt werden“, fordert Rainer Knoob weiter im Namen der AUB.

Welche Jahrgänge sind vom Boomer-Soli betroffen?

Vom Boomer-Soli wären primär die Geburtsjahrgänge zwischen Mitte der 1950er- und Ende der 1960er-Jahre betroffen, sofern sie hohe Rentenansprüche haben. Diese Generation geht derzeit oder in naher Zukunft in den Ruhestand. Der Vorschlag zielt darauf ab, genau diesen Personenkreis zusätzlich in die Pflicht zu nehmen.

Zum Hintergrund sollten Sie wissen, dass es sich dabei um die größte Bevölkerungsgruppe Deutschlands handelt. Wenn diese Millionen Menschen gleichzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, gerät das Rentensystem erwartbar weiter finanziell unter Druck. Die DIW möchte die Abgabe mit der finanziellen Leistungsfähigkeit im Alter verbinden. Wer eine niedrige Rente bezieht, wäre nach den Vorschlägen von der Abgabe befreit.

Ab welcher Höhe greift der Boomer-Soli bei der Rente?

Der Boomer-Soli würde nach dem DIW-Konzept ab einer monatlichen Bruttorente von etwa 2.000 bis 2.500 Euro erhoben werden. Darunter liegende Bezüge blieben unangetastet. Ein Freibetrag soll sicherstellen, dass Bezieher kleiner und mittlerer Renten nicht zusätzlich belastet werden.

Der AUB-Vorstandsvorsitzende Rainer Knoob kommentiert: „Diese Größenordnung, die im Raum steht, macht deutlich, dass ein erheblicher Anteil etwa von Facharbeitern vom Boomer-Soli betroffen wäre. Es geht keinesfalls um vermeintliche Besserverdienende, sondern um die Mitte der Gesellschaft. Daher kann die AUB diese Idee nur entschieden zurückweisen!“

Wie sieht ein Boomer-Soli Rechenbeispiel aus?

Ein konkretes Rechenbeispiel zeigt, dass die Belastung bei einer Rente von 3.000 Euro monatlich etwa 50 bis 100 Euro betragen könnte. Wenn man einen Freibetrag von 2.000 Euro annimmt, würde die Abgabe nur auf die restlichen 1.000 Euro fällig werden. Bei einem angenommenen Satz von fünf Prozent läge der Boomer-Soli in diesem Fall bei 50 Euro.

Tabelle mit Rechenbeispielen

Hier einige ca.-Zahlen, die auf Rentenempfänger mit einem Boomer-Soli zukommen könnten, im Überblick:

Bruttorente (monatlich)Angenommener FreibetragSteuerpflichtiger TeilBoomer-Soli (ca. 5%)
1.800€2.000€0€0€
2.200€2.000€200€10€
3.000€2.000€1.000€50€
4.000€2.000€2.000€100€

Boomer-Soli und Beamte: Werden alle einbezogen?

Die Frage, ob der Boomer-Soli auch für Beamte und deren Pensionen gelten könnte, wird hitzig diskutiert und von vielen Experten bejaht. Wenn es um Generationengerechtigkeit geht, können Staatsdiener kaum ausgenommen werden. Ihre Pensionen liegen im Durchschnitt deutlich über dem Niveau der gesetzlichen Renten.

Gleichbehandlung wird von vielen gefordert

Wenn nur gesetzlich Versicherte zahlen müssten, würde das die Kluft zwischen Angestellten und Beamten weiter vergrößern. Eine Einbeziehung von Pensionen würde die finanzielle Basis des Solis verbreitern und für mehr Fairness sorgen, argumentiert etwa auch das DIW in seinen eigenen Überlegungen.

Dennoch bleibt die grundsätzliche Kritik am Boomer-Soli bestehen, betont Rainer Knoob: „Viel nachhaltiger und ein wichtigerer Beitrag zur finanziellen Stabilisierung unserer Sozialsysteme wäre es, auch Staatsdiener in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu lassen. Zudem sollte die Zahl der Verbeamtungen kritisch hinterfragt und, wie bisweilen gefordert, auf wenige zentrale Aufgaben des Staates wie die Polizei konzentriert werden.“

Contra: Warum halten Kritiker den Boomer-Soli für ungerecht?

Nicht nur wir als AUB, auch viele weitere Kritiker empfinden die Idee eines Boomer-Soli als sozial ungerecht. Der Plan würde das Prinzip der Leistungsäquivalenz in der Rentenversicherung verletzen. Dieses Prinzip besagt: Wer viel einzahlt, sollte später auch eine entsprechend hohe Rente erhalten. Eine zusätzliche Abgabe im Nachhinein wirkt hingegen wie eine versteckte Rentenkürzung für Leistungsträger.

Ungerechte Doppelbelastung in der Kritik

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) führt zudem an, dass Renten bereits versteuert werden müssen. Eine zusätzliche Abgabe könnte als Doppelbelastung gewertet werden. Viele Rentner haben sich ihren Lebensstandard durch jahrzehntelange harte Arbeit und hohe Beitragszahlungen verdient. Sie vertrauen darauf, dass die Zusage des Staates Bestand hat.

Zudem wird befürchtet, dass das Vertrauen in das Rentensystem weiter erodiert. Wenn der Staat die Spielregeln nachträglich zu Ungunsten der Versicherten ändert, sinkt die Bereitschaft zur Vorsorge. Arbeitnehmer könnten sich fragen, ob sich Mehrarbeit und höhere Beiträge überhaupt noch lohnen, wenn am Ende eine Sonderabgabe wartet. Rainer Knoob: „Stattdessen wäre es viel wichtiger und zielführender, die private Vorsorge weiter zu stärken und auch steuerlich attraktiver zu machen.“

Pro: Welche Argumente sprechen für die Pläne?

Befürworter wie DIW-Präsident Marcel Fratzscher argumentieren, dass der Boomer-Soli die einzige Möglichkeit sei, die junge Generation vor massiven finanziellen Problemen der Sozialsysteme zu schützen. Ohne neue Einnahmequellen müssten die Rentenbeiträge für Arbeitnehmer massiv steigen. Das würde die Kaufkraft der Jungen schwächen und die Wirtschaft bremsen.

Ein weiteres Argument ist die Vermeidung von Altersarmut bei zukünftigen Generationen. Zudem wird auf die soziale Balance verwiesen.

Ausblick: Kommt der Boomer-Soli in Zukunft?

Ob der Boomer-Soli wirklich kommt, ist derzeit völlig offen, da der Widerstand in der Politik und bei den Sozialverbänden ebenso wie auf Seiten der AUB groß ist. Die aktuelle Bundesregierung setzt eher auf das Rentenpaket II und die Einführung des Generationenkapitals. Seit 1. Januar 2026 ist zudem die Aktivrente in Kraft getreten. Dennoch bleibt die Idee als Notfalloption in der wissenschaftlichen Debatte präsent.

Skepsis von der Deutschen Rentenversicherung

Auch die Deutsche Rentenversicherung äußert sich skeptisch zu einer derartigen Sonderabgabe. Sie sieht darin einen systemfremden Eingriff, der die Verwaltung verkompliziert. Rechtliche Hürden durch das Bundesverfassungsgericht sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Ein Eingriff in Eigentumsrechte der Rentner ist in Deutschland an sehr hohe Hürden geknüpft.

Fazit

Die Diskussion um den Boomer-Soli – so fragwürdig und umstritten diese Idee auch ist – zeigt eines ganz deutlich: Das aktuelle Rentensystem stößt an seine Grenzen. Für Sie als Arbeitnehmende ist die Lage paradox. Einerseits möchten Sie im Alter eine ungekürzte Rente erhalten, andererseits sind Sie schon heute von hohen Sozialabgaben betroffen, die Ihren Nettolohn schmälern.

Wir als AUB fordern eine ehrliche Debatte, die nicht die Generationen gegeneinander ausspielt. Statt ständig neuer Sonderabgaben brauchen wir eine strukturelle Reform, die alle Erwerbstätigen einbezieht. Eine stabile Rente darf nicht allein auf dem Rücken der heute Arbeitenden oder durch nachträgliche Kürzungen bei den Rentnern finanziert werden.

Transparenz ist hier das wichtigste Gut. Sie müssen wissen, worauf Sie sich verlassen können. Wir bleiben für Sie an diesem Thema dran und setzen uns dafür ein, dass Ihre Arbeit sich auch im Alter noch auszahlt!

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