Einmal jährlich flattert Arbeitnehmenden eine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung ins Haus. Die darin enthaltenen Informationen lösen bei vielen eher Unbehagen als Vorfreude aus. Die dort schwarz auf weiß gedruckten Zahlen zeigen meist deutlich, dass die zu erwartende Rentenzahlung im Alter kaum ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Was können Sie tun, um die Rentenlücke zu schließen? Wie groß wird die finanzielle Lücke im Ruhestand überhaupt sein? Und wie kann ich meine eigene Rentenlücke berechnen? In diesem Artikel finden Sie Antworten. Sie erfahren alles Notwendige über die Berechnung und die verschiedenen Strategien zur Schließung Ihrer persönlichen Vorsorgelücke.

Inhalt

  1. Definition: Was ist die Rentenlücke überhaupt?
  2. Rentenlücke schließen: Tipps zur Berechnung
  3. Formeln: Wie kann ich meine Rentenlücke individuell berechnen?
  4. Wie kann ich meine Rentenlücke schließen?
  5. Welche Möglichkeiten kann ich nutzen, um die Rentenlücke zu schließen?
  6. Wie gelingt es, bis 45 Jahre die Rentenlücke zu schließen?
  7. Tipp und Rechenhilfen zur Rentenlücke
  8. Fazit: Warum Sie jetzt handeln sollten

Definition: Was ist die Rentenlücke überhaupt?

Die „Renteninformation“ der Deutschen Rentenversicherung erhalten alle ab 27 Jahre, die mindestens fünf Jahre Beitragszeiten erworben haben. Ab 55 Jahren wird alle drei Jahre die sogenannte „Rentenauskunft“ verschickt, die eine detaillierte Auflistung der gespeicherten Zeiten (Versicherungsverlauf), den konkretem Rentenbeginn und die zu erwartende Rentenhöhe ausweist.

Hier zeigt sich auf einen Blick die persönliche Rentenlücke: Sie gibt die Differenz zwischen Ihrem letzten Nettoeinkommen vor dem Ruhestand und der tatsächlichen Höhe Ihrer Altersrente an. Sie beschreibt den Geldbetrag, der Ihnen jeden Monat fehlt, um Ihren aktuellen Lebensstil im Alter ohne finanzielle Abstriche fortzuführen.

Da das Rentenniveau in Deutschland sinkt, wird diese Lücke für fast jeden Arbeitnehmenden zur Realität. Zu einer durchdachten Ruhestandsplanung gehört es daher in jedem Fall dazu, sich möglichst frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen und den individuellen Handlungsbedarf zu klären.

So hoch ist das aktuelle Rentenniveau

Das Rentenniveau liegt derzeit bei etwa 48 Prozent des Durchschnittsentgelts. Wenn Sie also im Berufsleben 3.000 Euro netto verdienen, können Sie grob mit einer staatlichen Rente rechnen, die deutlich unter 1.500 Euro liegt. Diese große Schere zwischen Verdienst und Rente ist durch das strukturelle Problem des Rentensystems begründet.

Rentenlücke kennen und frühzeitig schließen

Viele Menschen unterschätzen, dass auch im Alter Fixkosten wie Miete, Versicherungen und Lebenshaltungskosten bestehen bleiben oder durch steigende Gesundheitsausgaben sogar wachsen. Die Inflation verschärft dieses Problem zusätzlich. Ein Euro ist in 20 Jahren aufgrund der schleichenden Geldentwertung deutlich weniger wert als heute.

Wenn wir also über das Thema Vorsorge sprechen, müssen wir immer die Kaufkraft im Blick behalten. Die Rentenlücke ist somit nicht nur ein statischer Wert auf einem Papier, sondern eine Herausforderung, die mit der Zeit eher größer als kleiner wird. Deshalb ist frühzeitiges Handeln so wichtig, um nicht beim Renteneintritt von den Fakten überrascht zu werden.

Rentenlücke schließen: Tipps zur Berechnung

Um Ihre Rentenlücke zu berechnen, sollten Sie im ersten Schritt Ihren voraussichtlichen Finanzbedarf im Alter ermitteln und diesen Ihrer erwarteten Gesamtrente gegenüberstellen. Sie nehmen dazu Ihr aktuelles Nettoeinkommen als Basis und ziehen davon die Summe ab, die Sie voraussichtlich aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge erhalten werden. Das Ergebnis ist der monatliche Fehlbetrag, den Sie zusätzlich ansparen müssen.

Wie hoch ist der Finanzbedarf im Alter?

In der Praxis gehen Experten davon aus, dass Sie im Alter etwa 80 Prozent Ihres letzten Nettoeinkommens benötigen, um gut über die Runden zu kommen. Manche Ausgaben fallen weg, etwa die Fahrtkosten zur Arbeit oder Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Andere Kostenblöcke, wie Freizeitgestaltung oder medizinische Versorgung, nehmen jedoch oft zu. Eine realistische Einschätzung ist das Fundament jeder soliden Altersvorsorgeplanung.

Steuern im Ruhestand nicht vergessen

Ein wichtiger Faktor bei dieser Rechnung ist die Steuerlast. Auch Renten müssen versteuert werden, sofern sie über dem Grundfreibetrag liegen. Zudem fallen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Wer nur die Brutto-Zahlen aus der Renteninformation nimmt, wiegt sich oft in falscher Sicherheit. Erst der Blick auf die Netto-Rente nach Abzug aller Abgaben zeigt das wahre Ausmaß der finanziellen Herausforderung.

Formeln: Wie kann ich meine Rentenlücke individuell berechnen?

Die einfachste Formel, um die Rentenlücke zu berechnen, lautet:

Wunsch-Nettoeinkommen im Alter minus voraussichtliche Netto-Rente gleich Rentenlücke

Wenn Sie es genauer wissen wollen, müssen Sie die voraussichtliche Inflation in die Formel integrieren, indem Sie Ihren Bedarf mit einem Inflationsfaktor multiplizieren. Nur so erhalten Sie einen Wert, der die zukünftige Kaufkraft realistisch widerspiegelt.

Rechenbeispiel zur Formel für die Rentenlücke

Um diese Formel mit Leben zu füllen, schauen wir uns ein Beispiel genauer an:

  • Angenommen, Sie benötigen im Alter 2.500 Euro netto pro Monat.
  • Laut Rentenbescheid erhalten Sie voraussichtlich 1.600 Euro brutto, was nach Abzügen circa 1.300 Euro netto entspricht.
  • Die Formel ergibt hier eine monatliche Lücke von 1.200 Euro.
  • Über einen Zeitraum von 20 Jahren im Ruhestand summiert sich dieser Betrag auf fast 290.000 Euro, die zusätzlich vorhanden sein müssten.

Mit einem Sicherheitspuffer kalkulieren

Tipp: Es ist stets ratsam, bei der Berechnung vom „Worst Case“, also dem theoretisch ungünstigsten Fall, auszugehen. Rechnen Sie besser mit einer etwas höheren Inflation und einer nur konservativen Rentensteigerung.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet zwar Hochrechnungen an, doch diese sind mit Vorsicht zu genießen, da sie auf Annahmen beruhen, die sich politisch oder wirtschaftlich jederzeit ändern können. Sicherheit gewinnen Sie nur durch Puffer in Ihrer eigenen Kalkulation.

Wie kann ich meine Rentenlücke schließen?

Sie können Ihre Rentenlücke schließen, indem Sie frühzeitig damit beginnen, Kapital aufzubauen, das im Alter entweder verzehrt wird oder dazu dient, eine Zusatzrente auszuschütten.

Was sind die drei Säulen der Altersvorsorge?

Als die drei Säulen der Altersvorsorge bezeichnet man: die gesetzliche Rente, die betriebliche Altersvorsorge und die private Vorsorge. Eine banale, aber dennoch wichtige Erkenntnis: Je früher Sie mit dem Sparen beginnen, desto stärker profitieren Sie vom Zinseszinseffekt.

Betriebliche Altersvorsorge nutzen

Ein erster Schritt für viele Arbeitnehmer ist die Möglichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Hierbei wandelt der Arbeitgeber einen Teil Ihres Bruttogehalts in eine Rentenanwartschaft um. Der große Vorteil ist die Ersparnis bei Steuern und Sozialabgaben. Zudem ist der Arbeitgeber seit 2019 verpflichtet, einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent zu zahlen, sofern er Sozialversicherungsbeiträge einspart. Das macht diese Form der Vorsorge oft sehr attraktiv.

Zusätzlich private Vorsorge betreiben

Neben der betrieblichen Ebene ist die rein private Vorsorge unverzichtbar geworden. Hier haben Sie die volle Kontrolle über Ihre Anlagestrategie. Ob klassische Rentenversicherung, Immobilien oder Wertpapiere, die Auswahl ist groß. Mehr Details dazu finden Sie auch im folgenden Abschnitt.

Hilfreich kann in gewissem Maße dabei auch die Arbeitsnehmer-Sparzulage sein. Wichtig ist jedoch, dass Sie Produkte wählen, deren Kostenquote nicht die gesamte Rendite auffrisst. Ein kritischer Vergleich der Gebührenstrukturen ist dringend zu empfehlen.

Welche Möglichkeiten kann ich nutzen, um die Rentenlücke zu schließen?

Zu den beliebtesten Möglichkeiten, um die Rentenlücke zu schließen, gehören die Nutzung staatlicher Förderungen, der Aufbau eines eigenen Wertpapierdepots und die Investition in Wohneigentum.

Auch wenn wir als AUB natürlich keine individuelle Beratung in diesem Bereich leisten können, möchten wir auf einen wichtigen Punkt hinweisen: Jede dieser Optionen hat ihre jeweiligen Vor- und Nachteile, die zu Ihrer persönlichen Lebenssituation und Ihrer Risikobereitschaft passen müssen. Eine Kombination bietet oft die höchste Sicherheit und Flexibilität.

Hier eine Übersicht über gängige Möglichkeiten:

AnlageformZielgruppeVorteileNachteile
ETFs / AktienLangfristige SparerHohe Renditechancen, flexibelMarktschwankungen möglich
Betriebliche VorsorgeArbeitnehmerArbeitgeberzuschuss, steuerfreiEingeschränkte Verfügbarkeit
ImmobilienSicherheitsorientierteMietfreies Wohnen im AlterHohe Einstiegshürden, Instandhaltung
Private Rentenvers.SicherheitsorientierteGarantierte lebenslange ZahlungOft hohe Gebühren, geringe Rendite

Sind ETFs geeignet, um die Rentenlücke zu schließen?

Die Anlage in ETFs gilt vielfach als effektiver Weg, um die Rentenlücke zu schließen. Da die ETFs (Exchange Traded Funds) einen Index wie den MSCI World nachbilden, entfallen teure Fondsmanager-Gebühren. Über lange Zeiträume von 15 Jahren oder länger haben breit gestreute Aktieninvestments historisch gesehen fast immer eine positive Rendite erzielt, die weit über dem Inflationsniveau lag.

Der Zinseszinseffekt ist dabei Ihr mächtigster Verbündeter. Wenn Sie beispielsweise monatlich 200 Euro in einen weltweit streuenden ETF investieren und eine durchschnittliche Rendite von 7 Prozent annehmen, verfügen Sie nach 30 Jahren über ein Kapital von rund 235.000 Euro. Bei einer reinen Sparbuch-Anlage mit minimalen Zinsen wäre es nur ein Bruchteil davon.

Wie gelingt es, bis 45 Jahre die Rentenlücke zu schließen?

Um die Rentenlücke mit 45 Jahren erfolgreich zu schließen, sollten Sie den Faktor Zeit konsequent nutzen. Wer feststellt, dass die Vorsorge bisher zu kurz kam, hat in diesem Alter immer noch über 20 Jahre bis zum regulären Renteneintritt.

In dieser Phase ist es entscheidend, die Sparrate zu maximieren und auf renditestarke Anlagen zu setzen, da die Zeit für den Zinseszins noch ausreicht, um signifikante Beträge aufzubauen. Auch wenn Sie darüber nachdenken, die Möglichkeit der Altersteilzeit für sich zu nutzen, sind Sie gut beraten, vorausschauend zu handeln.

Mit 45 vorhandene Anlagen überprüfen

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Generation 45 Plus ist die Überprüfung bestehender Altverträge. Viele Lebensversicherungen, die vor Jahren abgeschlossen wurden, werfen kaum noch Rendite ab oder sind durch hohe Gebühren belastet.

Eine Umschichtung in kosteneffizientere Produkte kann einen großen Unterschied für das Endkapital bedeuten. Lassen Sie sich hierzu unabhängig beraten, um nicht erneut in eine Provisionsfalle zu tappen.

Tipp und Rechenhilfen zur Rentenlücke

Ein guter Rechner zur Ermittlung der individuellen Rentenlücke sollte nicht nur Ihre heutigen Daten abfragen, sondern auch Variablen wie die Inflationsrate, erwartete Rentensteigerungen und die voraussichtliche Steuerbelastung berücksichtigen. Online-Tools von unabhängigen Portalen wie Finanztip oder der Stiftung Warentest bieten hier oft realistischere Ergebnisse als Rechner von Versicherungsgesellschaften.

Verschiedene Szenarien durchrechnen

Bei der Nutzung eines solchen Rechners sollten Sie verschiedene Szenarien durchspielen. Was passiert, wenn ich früher in Rente gehen möchte? Wie wirkt sich eine Inflation von drei statt zwei Prozent aus? Diese Simulationen helfen Ihnen, ein Gefühl für die Sensitivität Ihrer Altersvorsorge zu bekommen. Ein Rechner ist jedoch immer nur so gut wie die Daten, mit denen er gefüttert wird. Nehmen Sie sich also die Zeit, Ihre aktuelle Renteninformation und Ihre Ausgaben genau zu analysieren.

Vergessen Sie nicht, bei der Nutzung eines Rechners auch Ihr vorhandenes Vermögen einzubeziehen. Haben Sie bereits Ersparnisse, eine abbezahlte Immobilie oder eine Erbschaft zu erwarten? All diese Faktoren verringern die rechnerische Lücke. Das Ziel sollte sein, eine monatliche Sparrate zu ermitteln, die für Sie heute tragbar ist und gleichzeitig die berechnete Lücke bis zum Rentenbeginn zuverlässig schließt.

Fazit: Warum Sie jetzt handeln sollten

Das Schließen der Rentenlücke ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der Ausdauer und eine klare Strategie erfordert. Je früher Sie sich mit dem Thema auseinandersetzen, desto geringer ist der Aufwand, den Sie heute betreiben müssen.

Eigenverantwortung ist der sicherste Weg in einen entspannten Ruhestand. Nutzen Sie die verschiedenen Möglichkeiten. Berechnen Sie Ihre individuelle Rentenlücke und denken Sie über Wege nach, wie Sie diese Lücke schließen können. Um damit zu beginnen, ist es fast nie zu spät.

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